BUND Kressbronn - BUND Ortsverband Kressbronn a.B. http://bund-kressbronn.de/en en Stellungnahme zum Bebauungsplan Bodan Werft – Bereich Hotel http://bund-kressbronn.de/de/Stellungnahme-BUND-Bebauungsplan-Bodan-Werft-Hotel-Kressbronn <span class="field field--name-title field--type-string field--label-hidden">Stellungnahme zum Bebauungsplan Bodan Werft – Bereich Hotel</span> <div class="clearfix text-formatted field field--name-field-stellungnahme-ueberschrift field--type-text field--label-above"> <div class="field__label">Stellungnahme</div> <div class="field__item">Stellungnahme des BUND Ortsverbandes Kressbronn zum Bebauungsplan Bodan Werft – Bereich Hotel</div> </div> <span class="field field--name-uid field--type-entity-reference field--label-hidden"><span lang="" about="/en/user/1" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">h.kling</span></span> <span class="field field--name-created field--type-created field--label-hidden">Mon, 08/09/2021 - 10:14</span> <div class="field field--name-field-datum-stellungnahme field--type-datetime field--label-above"> <div class="field__label">Datum</div> <div class="field__item">06.08.2021</div> </div> <div class="field field--name-field-bild-stellungnahme field--type-image field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <img src="/sites/default/files/default_images/bodan_space.jpg" width="640" height="360" alt="" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div class="clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p>(in Antwort auf das Anschreiben von Sieber Consult GmbH vom 30.6.2021)</p> <h4>Allgemeine Vorbemerkung</h4> <p align="justify">Sowohl BUND Regionalverband Bodensee-Oberschwaben als auch der BUND Ortsverband Kressbronn haben sich schon bisher klar und ausdrücklich gegen jede Bebauung (zuletzt Stellungnahme zum vorgezogenen Bebauungsplan vom 20.4.2020) und die hierfür behördlicherseits in die Wege geleiteten Begleitmaßnahmen wie Teilaufhebung des LSG (Schreiben an das LRA Bodenseekreis vom 18.5.2021 ) und Änderung des Grünzugs (Schreiben des LNV vom7.11.2019) auf dem Areal Bodan-West ausgesprochen. Die hierfür vorgebrachten wichtigsten Argumente werden im folgenden Abschnitt nochmals zusammengefasst. Der nun vorgelegte Bebauungsplan entkräftet keine der vorgebrachten Einwendungen und es gibt daher für uns keinen Grund, unsere Einschätzung zu ändern. Vielmehr bestätigt die vorgelegte Planung aufs Neue unseren schon zuvor anlässlich unserer Stellungnahme zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans in der Fassung vom 16.9.2016 vorgebrachten Eindruck: „Somit stehen also die Belange des Natur- und Umweltschutzes weitgehend nur noch auf dem Papier, da sie im Ernstfall fast durchgängig zu Gunsten anderer Belange „weggewogen“ werden. „Zusammenfassung der bisher vorgebrachten Argumente zur Ablehnung (aus: BUND Stellungnahme zum vorgezogenen Bebauungsplan vom 20.4.2020, weitere BUND Stellungnahmen bei Einzelpunkten genannt)</p> <ol><li>Rechtsgrundlagen für ökologische Degradierung des Areals sind nicht gegeben. Ausweisung als Gewerbegebiet ist nicht kompatibel mit Landschaftsschutzgesetzt und Grünzug (siehe auch Stellungnahme LNV zur Regionalplanung vom 7.11.2019)</li> <li>Aufhebung der Schutzwirkungen (Landschaftsschutzgebiet, Grünzug, Biotop, siehe auch BUND Stellungnahme zum Antrag auf Teilaufhebung des LSG vom 23.6.2020) bedeuten eine bedenkliche Aufweichung der Vorgaben der Regionalplanung</li> <li>FFH-Gebiet Schutzaspekte sind nicht zureichend gewürdigt</li> <li>Artenschutzaspekte sind ebenfalls unzureichend gewürdigt</li> <li>Freihaltung des Areals ist auch aus Gründen des Hochwasserschutzes geboten</li> <li>Die touristische Notwendigkeit des Hotelbaus wird bezweifelt (siehe auch Stellungnahme des BUND Ortsverbandes Kressbronn zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans in der Fassung vom 16.9.2016)</li> <li>Corona-Pandemie erfordert Umdenken in der Bauleitplanung</li> </ol><h4>Zur vorgelegten Bauplanung</h4> <p align="justify">Es fällt zunächst auf, dass nicht mehr – wie vorangehend am 30.3.2020 – das Instrument eines „vorhabenbezogenen Bebauungsplans“ (VBP) verwendet wird, sondern<br /> nun ein „qualifizierter Bebauungsplan nach § 30 Abs. 1 BauGB“ vorgelegt wird. Darin wird also nicht ein konkretes Vorhaben, sondern nur die Zulässigkeit von Vorhaben auf dem Planungsgebiet geregelt. Das Büro Sieber begründet dieses Vorgehen damit, dass es „derzeit keinen konkreten Vorhabensträger gibt“. Für uns legt das die Vermutung nahe, dass die ursprüngliche Idee des Hotelbaus durch den bei der Umsetzung von Bodan-Wohnen tätigen Investor (Schmeh) in Frage gestellt ist. Ganz langsam könnte sich doch auch bei Gemeindeverwaltung und der Mehrheit des Gemeinderates die Ansicht durchsetzen, dass nach dem jahrelangen Hin- und Her mit Entwürfen und möglichen Pächtern des Hotels dieses Vorhaben bei Investoren und Pächtern offenbar nicht als „Schnäppchen“ gilt. Es könnte sich auch die Ansicht durchsetzen, dass ein Verzicht auf die möglichen Gewerbesteuereinnahmen aus dem Hotelbetrieb bei weitem aufgewogen werden könnten, wenn eine für den Tourismus attraktive Freifläche entstehen würde. (Siehe dazu auch das Beispiel Nonnenhorn). Eine „Gewerbebrache“ ist keinesfalls die unausweichliche Konsequenz!<br /> Darüber hinaus ergeben sich aber für uns weitere Einzel-Aspekte im Zusammenhang der nun vorgelegten Bauplanung:</p> <ul><li><strong>Die Ausweisung eines Sondergebietes (Hotel) als „natürliche Fortentwicklung“ des im FNP ausgewiesenen Restgebietes „gewerbliche Nutzung“ erscheint als rechtlich fragwürdiges Vorgehen</strong>. Die hierzu u.a. in Abschnitt 7.2.3.8 gegebene Erläuterung mutet geradezu als baurechtlicher Eiertanz mit Argumenten aus der Trickkiste von Winkeladvokaten an, um einen ansonsten unerlässlichen Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans umgehen zu können. Laut geltendem Flächennutzungsplan war das gesamte Areal der Bodan-Werft als Gewerbegebiet ausgewiesen (was jedoch mit Landschaftsschutzgebiet und vor allem mit dem bestehenden Grünzug unvereinbar war und ist). Indem auch in den jüngsten Versionen der immer noch laufenden Fortschreibung des Flächennutzungsplans dieses kleine Reststück weiterhin als Gewerbegebiet ausgewiesen wird, täuscht die Gemeinde vor, dass dort -entgegen ihrer erklärten Absicht – weiterhin eine gewerbliche Nutzung vorgesehen ist und begründet darauf den Bestandsschutz. Nach Auffassung des RP Tübingen geht jedoch mit Aufgabe der Werftnutzung jeder Bestandsschutz verloren und es hätte demzufolge für die gesamte Fläche des Bodan-Areals eine Neuplanung vorgelegt werden müssen. Schon in der Stellungnahme zum VBP Bodan-Ost (2012) hat der BUND Ortsverband deshalb auch die Abtrennung der Areale Ost und West als rechtlich fragwürdige Stückelung bezeichnet. Mit dieser „Strategie“ sollte offensichtlich ermöglicht werden die Bauplanung des Hotels nahtlos realisieren zu können, sobald die Änderung von LSG und Grünzug vollzogen werden. Hierfür spricht u.a. die Stellungnahme des Regional Verbandes Bodensee-Oberschwaben zur Grünzugsänderung vom 6.11.2018: „Da eine gewerbliche bauliche Nutzung dieser Fläche nicht mit den Zielen der Regionalen Grünzüge vereinbar ist, folgt die Herausnahme dieses Bereichs aus dem Regionalen Grünzug der aktuellen Rechtssituation. Sie bestimmt jedoch nicht die spätere Nutzung des Gebiets.“ Demgegenüber ergibt sich nach unserer Auffassung zwingend, dass die Ausweisung als Gewerbegebiet im Bereich des Areals Bodan-West nicht rechtskonform war. Nach dieser Sachlage hätte an dieser Stelle nicht das Landschaftsschutzgebiet und der Grünzug, sondern das Gewerbegebiet aufgehoben werden müssen!</li> <li><strong>Die Planung geht davon aus, dass kein Zweifel daran besteht, dass die beplante Fläche baurechtlich zum Innenbereich zu zählen ist. Demgegenüber ist nach unserer Auffassung die Frage Innen- und Außenbereichsabgrenzung keineswegs abschließend geklärt</strong>. Wir haben deshalb am 18.05.2021 eine entsprechende Anfrage an das Baurechtsamt gerichtet, die jedoch am 10.06.2021 nur ausweichend beantwortet wurde. Die jüngste Entscheidung des Verwaltungsgerichts Sigmaringen zu einem Hotelbauprojekt ähnlicher Größenordnung in Fischbach unterstreicht den hohen Stellenwert der Abgrenzung für die Umsetzung von Bauvorhaben. Wir halten es nach wie vor für unstrittig, dass das Areal Bodan-West zum Außenbereich gezählt werden muss und die Zuordnung zum Innenbereich mutwillig bzw. in vorauseilendem Gehorsam durch das örtliche Baurechtsamt erfolgt ist. Doch selbst wenn man der Argumentation des Baurechtsamts folgen würde, ergibt die vorgelegte Bauplanung im Abschnitt 8.2.4.1 - ungewollt - einen klaren Hinweis dafür, dass die West-Grenze des Innenbereichs anders als im Schreiben des Baurechtsamts vom 10.6.2021 dargestellt werden muss: Laut Auskunft des Baurechtsamts ist die Grenze des Innenbereichs, mit dem letzten Gebäude gegeben, welches den „im Zusammenhang bebauten Ortsteil darstellt“. Dieses ist laut Baurechtsamt der offene Schuppen an der Grenze zum Schwimmbad (Gebäude Nr. 21). In der vorgelegten Bauplanung wird nun „vermutet“, dass eine Genehmigung für dieses Gebäude vorliegt. Da dies aber überhaupt nicht belegt werden kann, wird argumentiert, dass dennoch Bestandschutz bestehe, da sich „die zuständige Behörde mit ihrem Vorhandensein abgefunden hat“ (!!). Wenn dieses Vorgehen Schule macht, sind damit die Grenzen der Rechtsstaatlichkeit deutlich markiert und dem weiteren nicht gesetzeskonformen Vorgehen von Behörden und Bauträgern Tür und Tor geöffnet. Das können wir keinesfalls so stehen lassen und wir werden in geeigneter Weise vorgesetzte Behörden und vor allem die Öffentlichkeit informieren. Ein illegal errichtetes Gebäude kann niemals die Grenze zum Außenbereich darstellen! Wenn also nach dieser Sachlage dieses Gebäude (wie auch andere illegal errichtete Gebäude auf dem Werft Areal) keine Rechtsgrundlage für die Abgrenzung zwischen Innen- und Außenbereich darstellen kann, folgt zwingend, dass nur das legal errichtete westlichste Gebäude im Bereich von Bodan-Wohnen die westliche Grenze des im Zusammenhang bebauten Ortsteils und damit des Innenbereichs darstellen kann. Mithin liegt – auch nach den Maßstäben des Baurechtsamts - das gesamte Planungsareal im Außenbereich!</li> <li><strong>Die FFH Prüfung berücksichtigt die Auswirkungen auf das Gesamtgebiet unzureichend</strong>. Das Büro Sieber hebt korrekterweise im Zusammenhang mit dem Bau von Verkehrswegen die „Barriere- oder Fallenwirkung/ Individuenverlust“ hervor. Diese haben eine erhebliche negative Auswirkung auf den Amphibienbestand (FFH Verträglichkeitsprüfung zum Bebauungsplan "Bodan Werft - Bereich Hotel", S.76). Das Büro kommt im Fazit (S.77) zur Einschätzung, dass die Zufahrt zum Bodanhotel die Wanderung der Gelbbauchunke entlang des Fließgewässers behindern könnte. Eine negative Beeinträchtigung der Art <strong>kann nicht</strong> ausgeschlossen werden. Das Gleiche gilt auch für den Gewässerlebensraum der Groppe und anderen Tier-/Pflanzenarten. <strong>Ein höchst problematischer Punkt</strong> in der Abschätzung des Büros Sieber ist weiterhin, dass sich die kumulative Bewertung der negativen Einflüsse des Hotelprojekts mit anderen Planungen im Umfeld auf die FFH-Vorprüfung zum Bebauungsplan "Parkplatz beim Strandbad" des Büros Meinxner stützt! Auf S.86 (Kapitel 7 Summationswirkungen im Zusammenwirken mit anderen Plänen und Projekten) wird eine Beeinträchtigung durch diese benachbarten Projekte ausgeschlossen und als Begründung die Arbeit des Büros Meixner angeführt. Wie wir in unserer Stellungnahme zum Strandbadparkplatz begründet haben, sind diese Unterlagen nach unserer Meinung fachlich falsch, lückenhaft und kommen zu einer falschen Einschätzung der Gefährdung streng und besonders geschützter Arten. Das Büro Sieber stützt also seine abschließende Bewertung der FFH-Vorprüfung für das Bodanhotel auf diese unzureichenden Planungsdokumente (!!!). Auch wenn nun keine vorhabenbezogene Bauplanung mehr verfolgt wird, ist wohl unzweifelhaft, dass nach wie vor der Bau eines Hotels mit über 100 Betten ins Auge gefasst wird. Es sei deshalb auch darauf hingewiesen, dass dies nach dem UVP-Gesetz, Anhang 1, Punkt 18.1.2 ein Vorhaben darstellt, das eine allgemeine Vorprüfung des Einzelfalls benötigt. Eine solche liegt nach unserer Kenntnis bislang nicht vor.</li> <li><strong>Auch das neu vorgelegte Artenschutzgutachten bewertet die Gefährdung einzelner streng geschützter Arten unzureichend</strong>. Es erscheinen danach die von uns aber auch in der Stellungnahme des RP Tübingen vom 29.5.2020 vorgebrachten Einwände keinesfalls ausgeräumt. Dies kommt auch in der Stellungnahme des NABU Ortsvereins Langenargen e.V. zur hier vorgelegten Bauplanung klar zum Ausdruck</li> <li><strong>Die Erhaltung des Biotops und die Biotopvernetzung mit der angrenzenden Nonnenbachaue werden auch trotz der vorgeschlagenen Maßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erreicht</strong>. Mit der vorgezogenen Bebauungsplanung vom 31.3.2020, die bezüglich der Auswirkungen auf das Biotop gegenüber der jetzt vorgelegten Planung unverändert ist, ist für uns unzweifelhaft, dass der Vernetzungseffekt mit der geplanten Hotelbebauung , u.a. durch Beeinträchtigung und Zerstörung zweier für die Vernetzung zentral wichtiger Biotope verloren geht. Obwohl große Teile des Areals in der Tat schon durch die schon beschriebene Entwicklung sukzessive entwertet wurden, blieb die Vernetzungsfunktion bislang gerade im nördlichen Bereich noch weitgehend erhalten. Demgegenüber würde diese durch die geplante Hotelbebauung mit großer Wahrscheinlichkeit endgültig verloren gehen.</li> <li><strong>Angesichts der jüngsten Hochwasserereignisse erscheint es zwingend erforderlich, die Risiken von Bauvorhaben in hochwassergefährdeten Flächen noch eingehender zu berücksichtigen</strong>. Alle hierzu maßgeblichen Gesichtspunkte wurden in der Stellungnahme des RP Tübingen vom 29.5.2020 ausführlich dargestellt. Von einer Bebauung in diesem Areal muss demnach abgesehen werden. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die ausführlichen Begründungen in der Stellungnahme des NABU Langenargen e.V. zur hier vorgelegten Bauplanung</li> <li><strong>Entgegen den an mehreren Stellen der Bauplanung betonten Befürchtungen droht bei Nichtdurchführung des Vorhabens keine Gewerbebrache</strong>. Abgesehen davon, dass schon der jetzige Zustand nicht mehr dem Bild einer Gewerbebrache entspricht, muss auf das Beispiel der Nachbargemeinde Nonnenhorn hingewiesen werden, die durch ersatzlosen Abriss eines Gästehauses auf einem hochattraktiven Seeanliegergrundstück unmissverständlich Vorrang für seenahe Freihalteflächen gegeben hat. Auch in Kressbronn könnte bei Nichtbebauung der Planungsfläche die Vorgabe der touristischen Nutzung durch eine naturnah gestaltete Freihaltefläche sogar besser als mit einem Hotelbau eingehalten werden.</li> </ul><h4>Fazit</h4> <p align="justify">Die mit der Bauplanung vorgelegte Nutzung des westlichen Areals der ehemaligen Bodan Werft für die Errichtung eines Hotels wird von uns grundsätzlich abgelehnt. In Übereinstimmung mit der Stellungnahme des NABU Ortsvereins Langenargen e.V. halten wir nicht nur baurechtlich die Grundlagen für fragwürdig, sondern sehen auch eine Unvereinbarkeit mit den Vorgaben der Raumordnung, der Landesplanung, des Bodenseeuferplans, des FFH Schutzgebiets, des Naturschutzgesetzes und des Hochwasserschutzes. Darüber hinaus wird die Umsetzung der von der Gemeinde befürworteten touristischen Nutzung des Areals alternativlos mit der Errichtung eines Hotelbaus gleichgesetzt. Dessen Notwendigkeit kann jedoch ernsthaft hinterfragt werden, jedenfalls kann sie kaum aus einem fachlich fragwürdigen Auftragsgutachten („Tourismuskonzept“) abgeleitet werden.</p> <p align="justify">Eine touristische Nutzung wird demgegenüber auch bei Nichtbebauung - beispielsweise Entwicklung als naturnaher Uferpark - durchaus ermöglicht. Im Einklang mit dem BUND Regionalverband (siehe LNV Stellungnahme zur Fortschreibung des Regionalplans vom 25.2.2021) setzen wir uns mit Nachdruck für diese Option ein. Sie bietet die einmalige Chance einer Win-Win Situation für Gemeinde, Bürger, Touristen, Naturschutz (und vielleicht sogar für einen potentiellen Hotelbau-Investor wegen Vermeidung eines finanziellen Risikos). So könnte das Kapitel Folge-Nutzung des Bodan Werft Geländes nach über einem Jahrzehnt endlich, und dabei sogar zu einem alle zufrieden stellenden versöhnlichen Abschluss gebracht werden.</p> <p><br /> Kressbronn, den 6. August 2021<br /> BUND Ortsverband Kressbronn (Vorstand)<br /> Hans Güde, gez. Sue Medford, gez. Max Hubert Schuh</p> </div> Mon, 09 Aug 2021 08:14:20 +0000 h.kling 76 at http://bund-kressbronn.de Stellungnahme des BUND OV Kressbronn und des NABU e.V. Langenargen zum Bebauungsplan “Parkplatz beim Strandbad“ http://bund-kressbronn.de/de/Parkplatz-beim-Strandbad-Kressbronn <span class="field field--name-title field--type-string field--label-hidden">Stellungnahme des BUND OV Kressbronn und des NABU e.V. Langenargen zum Bebauungsplan “Parkplatz beim Strandbad“</span> <div class="clearfix text-formatted field field--name-field-stellungnahme-ueberschrift field--type-text field--label-above"> <div class="field__label">Stellungnahme</div> <div class="field__item">Parkplatz beim Strandbad</div> </div> <span class="field field--name-uid field--type-entity-reference field--label-hidden"><span lang="" about="/en/user/1" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">h.kling</span></span> <span class="field field--name-created field--type-created field--label-hidden">Fri, 05/07/2021 - 18:17</span> <div class="field field--name-field-datum-stellungnahme field--type-datetime field--label-above"> <div class="field__label">Datum</div> <div class="field__item">07.05.2021</div> </div> <div class="field field--name-field-bild-stellungnahme field--type-image field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <img src="/sites/default/files/2021-05/Parkplatzerweiterung.jpg" width="750" height="449" alt="Parkplatzerweiterung" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div class="clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><h3>Anlass</h3> <p>Mit Beschluss vom 28.01.2020 hat der Gemeinderat Kressbronn das Büro Meixner Stadtent-wicklung GmbH gemäß § 4b BauGB mit der Durchführung des Bauleitplanverfahrens zum Parkplatz beim Strandbad beauftragt. Die am 4.2.2021 von diesem Büro vorgelegte Bauplanung wurde am 24.3.2021 vom Gemeinderat genehmigt. </p> <p>Im Rahmen des Beteiligungsverfahrens von Behörden und Trägern öffentlicher Belange nehmen wir im Folgenden zu dieser Planung Stellung. </p> <h3>Allgemeine Vorbemerkungen</h3> <p>Bereits nach dem Gemeinderatsbeschluss vom 28.01.2020 haben wir schon am 10.02.2020 zu dem Vorhaben Stellung genommen (<a href="http://bund-kressbronn.de/sites/default/files/2020-02/Stellungnahme%20Strandbadparkplatz%20BUND%20und%20NABU.pdf" target="_blank">LINK</a>) und dabei festgestellt:</p> <ol><li>Das Ziel der Bestandssicherung (Strandbadparkplatz und Festplatz) tragen wir mit</li> <li>Die Notwendigkeit der Erweiterung bezweifeln wir</li> <li>Bestehende Flächenschutzvorgaben (FFH-Gebiet, Grünzug und Biotopschutz) sind bei westlicher und nördlicher Erweiterung unzureichend berücksichtigt</li> <li>Gravierende Belange des Artenschutzes bleiben unbeachtet</li> </ol><p align="justify">Zu Punkt 1 ist nochmals festzuhalten, dass nach Angaben der Gemeindeverwaltung bislang offensichtlich keine Genehmigung für den bestehenden Parkplatz und den Festplatz vorliegt. Obwohl man somit – insbesondere im Hinblick auf Punkt 3 – eigentlich einen kompletten Rückbau fordern könnte, erkennen wir die dort inzwischen langjährig geschaffenen Fakten an und tragen deshalb das Ziel der Bestandssicherung weiterhin mit. Insofern war bei der jetzigen Stellungnahme insbesondere zu prüfen, ob sich mit der nun vorgelegten Bauplanung neue Gesichtspunkte hinsichtlich der zusätzlich geplanten Erweiterungen zu den Punkten 2 – 4 ergeben. Dabei stellten wir fest, dass der flächenhafte Umfang der Planung weitgehend unverändert fortgeschrieben wurde. Die im beigelegten Umweltbericht dargestellten Fakten bestätigen weiterhin auch unsere zuvor angemeldeten Bedenken hinsichtlich der mit den Erweiterungen zu erwartenden Beeinträchtigungen von Natur und Umwelt. Bezüglich der sich daraus ergebenden Folgerungen und vorgeschlagenen Maßnahmen haben wir jedoch einige erhebliche Einwendungen, die unten im Einzelnen jeweils näher erläutert werden. </p> <h3>Anmerkungen zu den Planungsunterlagen</h3> <p align="justify">Trotz der im allgemeinen gut ausgearbeiteten Planungsunterlagen (bei allerdings unvollständiger Berücksichtigung von Artenschutz in der FFH-Vorprüfung und im Umweltbericht, siehe unten und in der Anlage), vermissen wir für unsere Abwägung zu einigen Punkten weitergehende Detail-Informationen. So bleibt z.B. unklar, mit welchen Zahlen die Notwendigkeit der Erweiterung des Parkplatzes begründet wird. Weiterhin fehlen Angaben zur Zahl der geplanten Stellplätze im Vergleich zum Istzustand. Der für eine Bewertung erforderliche Vergleich von Ist- und Planzustand würde durch eine zusätzliche Planzeichnung erleichtert, in der Ist- und Planzustand beispielsweise durch unterschiedliche Schraffuren gekennzeichnet sind. </p> <h4>1. Zum bestehenden Parkplatz einschließlich Festplatz</h4> <p align="justify">Für die jetzt schon bestehenden befestigten und teilweise asphaltierten Flächen sieht die Planung eine „Modernisierung“ mit erneuerten Belägen und (insektenfreundlicher) Beleuchtung vor. Angesichts einer wie bisher auf die Sommermonate beschränkten Hauptnutzungszeit appellieren wir, die damit verbundenen Umweltbelastungen auf ein Minimum zu beschränken. Das betrifft unter anderem das Ausmaß der Flächenversiegelung. Darüber hinaus halten wir eine Beleuchtung des Platzes (die schon bisher unnötig war) für eine vollkommen entbehrliche und unnütze Luxuseinrichtung deren Kosten den Gemeindehaushalt nicht belasten dürfen, die darüber hinaus in jedem Fall eine naturferne „Lichtverschmutzung“ darstellt. So-weit aus den Planungszeichnungen ersichtlich, wird die Zu- und Abfahrt auf die Straße „Eichert“ beschränkt. Die damit offensichtlich verbundene Aufgabe des bestehenden Zugangs am Ostrand (mit dem dort angrenzenden Biotop) würden wir begrüßen.</p> <h4>2. Zur westlichen Erweiterung (Ausweichparkplatz südlich des Sportplatzes)</h4> <p align="justify">Die gesamte Plan-Fläche westlich der Straße „Eichert“ ist im gültigen Flächennutzungsplan als Sportplatz ausgewiesen. Nachdem schon früher im südlichen Bereich zu Spitzenzeiten zunächst „wild“ geparkt wurde, hat die Gemeindeverwaltung dort vor einigen Jahren einen gebührenpflichtigen Ausweichparkplatz eingerichtet. Dieser soll nun mit dem Bebauungsplan wohl auch rechtlich abgesegnet (was bislang offensichtlich nicht der Fall war!?) und durch einen Schotterrasenbelag befestigt werden. Wie Abb. 7 im Umweltbericht zeigt, wird der Ausweich-Platz zu Spitzenzeiten zwar tatsächlich intensiv genutzt, demgegenüber steht er jedoch den meisten Teil des Jahres leer.</p> <p align="justify">Aus Sicht des Amphibienschutzes ist die gesamte Grünfläche westlich der Straße „Eichert“ als Wanderkorridor für Amphibien (neben Kröten, u. a auch die streng geschützten Arten Kammmolch und Laubfrosch) zur Laichzeit hoch bedeutsam. Obwohl darauf auch im Umweltschutzbericht verwiesen wird, wird dennoch der Fläche „keine hohe naturschutzfachliche Wertigkeit“ zugesprochen. Wie in Anlage 1 näher erläutert, sehen wir auch – entgegen der Feststellung der FFH-Vorprüfung - ein erhebliches Potenzial zur Beeinträchtigung von Lebensraum und geschützten Arten, insbesondere durch die vorgesehene Befestigung der Fläche mit Schotterrasen. Diese Schadwirkung kann auch durch Bepflanzung mit Bäumen und Sperrung des Platzes während der Laichzeit nicht aufgehoben werden.</p> <p align="justify">Deshalb ist aus unserer Sicht auch eine FFH Prüfung für diese Maßnahme zwingend erforderlich. Schließlich möchten wir Gemeindeverwaltung und Landratsamt auch nachdrücklich an die im aktuellen <a href="https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/map-endfassungen-uebersicht/-/document_library_display/0U6Z5CnGUlw8/view/316648?_110_INSTANCE_0U6Z5CnGUlw8_redirect=https%3A%2F%2Fwww.lubw.baden-wuerttemberg.de%2Fnatur-und-landschaft%2Fmap-endfassungen-uebersicht%2F-%2Fdocument_library_display%2F0U6Z5CnGUlw8%2Fview%2F316644" target="_blank">FFH-Managementplan</a> genannten Erhaltungsziele und Maßnahmenplanungen erinnern. Dort wird u.a. die Errichtung einer Amphibienquerung unter der Bodanstrasse gefordert. Dieser Forderung schließen wir uns mit Nachdruck an. In jedem Fall lehnen wir aber aus Sicht des Natur- und Artenschutzes die Errichtung des geplanten Ausweichparkplatz grundsätzlich ab. </p> <h4>3. Zur nördlichen Erweiterung (Erdwall einschließlich nördlicher Naturfläche)</h4> <p align="justify">Der jetzige Festplatz wird seit vielen Jahren nördlich durch einen Erdwall begrenzt, der Erd-material aus Straßenbelägen enthält (Datum der Ablagerung und genaue Herkunft des Materials werden nicht genannt). Erwartungsgemäß wurden dort auch für Straßenbeläge typische Altlasten vorgefunden (v.a. PAK, Benzpyrene und MWK), so dass laut Umweltbericht eine Abtragung des Walls nach Auskunft des Amtes für Bodenschutz ohnehin erforderlich sei. Es stellt sich allerdings die Frage, warum und auf welcher rechtlichen Grundlage dieses Material dort abgelagert wurde. Nicht zuletzt ist auch bemerkenswert, dass die Altlastenthematik erst im Zuge der laufenden Planungen zur Parkplatzerweiterung aufgegriffen wurde, während für diese in vielen Jahren zuvor kein Handlungsbedarf seitens der Gemeindeverwaltung gesehen wurde.</p> <p align="justify">Wie im Umweltbericht ausführlich dargestellt, hat sich dieser Erdwall inzwischen zu einem bedeutenden Habitat für die streng geschützte Zauneidechse entwickelt. Darauf haben wir ja auch zuvor schon nachdrücklich hingewiesen. Zusätzlich ergibt sich für die nördlich anschließenden und im Planungsgebiet eingeschlossenen Areale mit den angrenzenden Biotopen ein besonderes Schutzbedürfnis, da sie als Habitat für die ebenfalls streng geschützten Arten Laubfrosch und Gelbbauchunke dienen. Ohne das Altlastenproblem wäre nach dieser Sach-lage die Erhaltung des jetzigen Erdwalls für den Artenschutz zweifellos am zielführendsten. Damit würden ja auch wahrscheinliche „Kollateralschäden“ durch die Baumaßnahmen (Verschüttungen und Verdichtungen, etc.) für diese Habitatteile ausgeschlossen. Ein Vergleich der Planzeichnungen von Bauplanung und Istzustand zeigt zudem, dass damit nur eine unwesentliche Einbuße an zusätzlicher Parkfläche verbunden wäre. </p> <p align="justify">Unter Verweis auf die Notwendigkeit der Altlastenbeseitigung wird im Bebauungsplan jedoch die Errichtung eines Ersatzhabitats für die Zauneidechse durch einen neuen Erdwall aus unbelastetem Material vorgesehen. Zusätzlich wird das nördlich angrenzende Areal als Schutzfläche einschließlich der Einrichtung eines neuen Feldgehölz-Biotops ausgewiesen.</p> <p align="justify">Einer solchen Lösung würden wir natürlich zustimmen, falls die Abtragung des bestehenden Erdwalls tatsächlich unabweislich erforderlich ist, da dann zumindest begründete Aussicht auf einen Erhalt der Habitatanforderungen der geschützten Arten besteht. Wir stellen uns allerdings die Frage, ob die festgestellten Altlasten tatsächlich eine Abtragung – nach so langer Zeit - zwingend notwendig machen. Zumindest liegen die im Anhang des Umweltberichts genannten Belastungswerte unterhalb von kritischen Werten, die laut Bodenschutzverordnung für die als Parkplatz genutzte Flächen genannt werden. Für das somit gegebene Dilemma der Abwägung zwischen Artenschutz und Altlastenproblematik maßen wir uns natürlich keine fachliche Entscheidung an. Wir appellieren jedoch an Behörden und Gemeindeverwaltung, die hierzu maßgeblichen Gesichtspunkte nochmals eingehend zu überprüfen. </p> <h4>Fazit</h4> <p align="justify">Wir sind befremdet über den Umstand, dass eine Gemeindeverwaltung über Jahre hinweg einen nicht genehmigten Park- und Festplatz im FFH-Gebiet betreiben kann! Dennoch würden wir aus Gründen der Bestandssicherung für den bestehenden Strandbadparkplatz und Festplatz eine nachträgliche Genehmigung und Weiterführung unter der Voraussetzung akzeptieren, dass die Gemeinde Kressbronn die im FFH-Managementplan geforderte Amphi-bienquerung innerhalb von zwei Jahren umsetzt. </p> <p align="justify">Wir bezweifeln jedoch nachdrücklich den Bedarf für die geplanten Erweiterungen des Parkplatzangebotes. Wir stimmen allenfalls der nördlichen Erweiterung (unter Einhaltung der geplanten Ausgleichsmaßnahmen!) zu, falls sich die Abtragung des Erdwalls als unabweisbar erforderlich zeigt. Demgegenüber lehnen wir den geplanten Ausweichparkplatz auf der Grünfläche grundsätzlich ab und fordern, den bestehenden Ausweichparkplatz aufzuheben und für Fahrzeuge zu sperren!</p> <p align="justify">Wir verweisen weiterhin auf das bislang in Kressbronn fehlende Verkehrskonzept zur Steuerung und Lenkung von Spitzenlasten während der Tourismus-Saison. Wir appellieren deshalb erneut an die Gemeindeverwaltung, alternative und ergänzende Lösungen (wie z.B. über ÖPNV und Förderung Radwegausbau) mindestens gleichwertig in Betracht zu ziehen. Nur durch solch grundsätzlicheren Konzepte kann vermieden werden, dass immer wieder über zusätzliche Parkflächen für Spitzenzeiten debattiert werden muss.</p> <p>7. Mai 2021</p> <p>BUND Ortsverband Kressbronn</p> <p>gez. Hans Güde, gez. Sue Medford, gez. Max Hubert Schuh</p> <p>NABU e.V Langenargen</p> <p>gez. Edwin Strobel</p> <h3> <br /> Anlage 1: Naturschutzfachliche Gesichtspunkte zum Ausweichparkplatz auf Grünfläche</h3> <h3>1. Grünfläche als Ausweichparkplatz</h3> <p align="justify">Der Umweltbericht stellt das Vorhaben, die Grünfläche als Ausweichparkplatz auszubauen, in Bezug zu den lokalen Restriktionen. Während die Lage der Vorhabensfläche</p> <ul><li>im HQ100-Überflutungsbereich, </li> <li>die Versiegelung von rund 4.600 Quadratmeter Fläche und</li> <li>die Bodenverdichtung und Oberbodendrainage durch den Einbau einer Schottermischung</li> </ul><p align="justify">…in der Bestandsaufnahme beschrieben werden, versäumen es die Autoren in der Wirkanalyse auf die absehbare Barrierewirkung für wandernde Amphibien hinzuweisen. Dies ist eine wesentliche ökologische Funktion der Grünfläche innerhalb des europäischen Schutzgebietes. Eine Vorbelastung der Fläche besteht in der Nutzung als Sportplatz durch die Bodenverdichtung und die intensive „Rasenpflege“.</p> <p align="justify">In der geplanten Abwertung des Oberbodens und der Drainage der Vorhabensfläche besteht eine erhebliche negative Veränderung des Wanderungskorridors für Amphibien.</p> <h4>1.1. Umweltbericht</h4> <p align="justify">Die Autoren des Umweltberichts kommen trotz der eigenen Kartierungsergebnisse zu dem Schluss, dass die Grünfläche innerhalb des Vorhabenbereichs „keine hohe naturschutzfachliche Wertigkeit“ besitzt.</p> <p align="justify">Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Wert der Fläche z.B. als Wanderungskorridor für Amphibien und als Gebiet für die Nahrungsaufnahme der nachgewiesenen Fledermausarten hierbei nicht berücksichtigt wurde. Gleichzeitig weist der Bericht auf die bereits starke Beeinträchtigung der Grünfläche durch den angrenzenden Parkplatz und den Fahrradabstellplatz hin (Kapitel 6.2.5).</p> <p align="justify">Diese dokumentierten Störungen durch die vorliegende Nutzung (Bestandssituation) müssen durch eine vollumfängliche FFH-Prüfung im Detail untersucht werden, bevor eine Erweiterung des Ausweichparkplatzes in Betracht gezogen werden kann. Es ist offensichtlich, dass die Umwandlung der Grünfläche in einen Ausweichparkplatz zu einer weiteren Degradation des FFH-Schutzgebiets führt und durch die Barrierewirkung einen direkten erheblichen Einfluss auf die dort vorkommenden Amphibien-, Reptilien und Fledermausarten haben wird.</p> <p align="justify">Der artenschutzrechtliche Fachbeitrag versäumt es, die wichtige Fragestellung zum potenziellen Einfluss des Vorhabens auf die Laubfrosch- und Kammmolchpopulation zu erörtern und im Kontext der lokalen und regionalen Vorkommen eine Risikoeinschätzung für die Populationen zu treffen.</p> <h4>1.2 Relevanz für die FFH-Vorprüfung</h4> <p align="justify">Die Barrierewirkung, die durch den Einbau einer Schottermischung zur Stabilisierung des Ausweichparkplatzes hervorgerufen wird, geht auf die folgenden Standortveränderungen zurück:</p> <ul><li>Reduktion der Bodenfeuchte</li> <li>Schnellere Wärmeaufnahme und Austrocknung der Parkplatzfläche</li> <li>Strukturelle Veränderung des Bodenbelags</li> </ul><p align="justify">Es muss davon ausgegangen werden, dass sich diese Faktoren negativ auf Amphibien auswirken, die eine solch veränderte Boden-Schotterfläche überqueren und ggf. in einer erhöhten Mortalitätsrate der Tiere resultieren. Tiere, die diesem neuen Oberflächenbelag ausweichen, konzentrieren ggf. ihre Wanderrouten im westlichen Bereich und sind gezwungen eine längere Wanderung bis zu den Feuchtwiesen am Nonnenbach zurückzulegen. Auch hier ist mit einer erhöhten Mortalität durch die längere Wanderroute und die Konzentration der Tiere bei der Straßenquerung im westlichen Bereich zu rechnen.</p> <p align="justify">Besonders für die hier vorkommenden seltenen Arten Laubfrosch und Kammmolch könnte das Vorhaben zu einer Gefährdung der lokalen Population führen bzw. zu deren Erlöschen.</p> <p align="justify">Der Autor/die Autorin der FFH-Vorprüfung versäumt diese anlagenbedingte, möglicherweise erhebliche Barrierewirkung in die Vorprüfung einzubeziehen (siehe FFH-Vorprüfung, Punkt 6). Die Schlussfolgerung der FFH-Vorprüfung, dass keine erheblich negative Auswirkung auf den Lebensraumtyp oder auf geschützte Arten (in diesem Fall Amphibien) zu erwarten ist, ist schlicht falsch und verfehlt einen korrekten Einbezug der Wirkfaktoren des Umweltberichts.</p> <p align="justify">Die FFH-Vorprüfung muss hier (selbst wenn der bloße Verdacht einer möglicherweise erheblichen Beeinträchtigung besteht) diese benennen und folglich eine vollumfängliche FFH-Prüfung für das Vorhaben empfehlen.</p> <p align="justify">Das <a href="https://ffh-vp-info.de/FFHVP/Art.jsp?m=2,1,1,0" target="_blank">Bundesamt für Naturschutz (BfN)</a> klassifiziert beispielsweise den Einfluss des Vorhabens auf den Kammmolch wie folgt:</p> <p><strong>Veränderung abiotischer Standortfaktoren</strong></p> <ul><li>Veränderung der morphologischen Verhältnisse (z.B. Bodenstruktur und -feuchte) - regelmäßig relevant</li> <li>Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse (z.B. Grundwasserabsenkung) - regelmäßig relevant - besondere Intensität</li> </ul><p><strong>Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust</strong></p> <ul><li>Anlagebedingte Barriere- oder Fallenwirkung / Mortalität - regelmäßig relevant</li> </ul><h4>2. Forderung von Nabu Langenargen e.V. und BUND Ortsverband Kressbronn</h4> <ul><li>Verzicht auf die Anlage eines Ausweichparkplatzes. Die Grünfläche stellt einen wichtigen Wanderungskorridor für streng und besonders geschützte Amphibien dar. Der Ausweichparkplatz hat das Potenzial, eine erhebliche negative Veränderung der Lebensraumqualität für geschützte Arten in einem europäischen Schutzgebiet herbeizuführen</li> <li>Die FFH-Vorprüfung ist aus den oben angeführten Gründen von der unteren Naturschutzbehörde abzulehnen. Die vorliegenden Informationen und eine korrekte Bewertung der Bestandsinformationen erfordern eine vollumfängliche FFH-Prüfung, um die potenziellen Auswirkungen des Vorhabens auf die Schutzgüter des FFH-Gebiets „Bodenseeuferlandschaft östlich Friedrichshafen“ zu bewerten</li> </ul><p align="justify">Die Gemeinde Kressbronn und das Landratsamt Friedrichshafen liegen jetzt schon hinter den Anforderungen an ein nachhaltiges Management des FFH-Gebiets „Bodenseeuferlandschaft östlich Friedrichshafen“ zurück.</p> <p align="justify">Nabu und BUND fordern eine zeitnahe Umsetzung der bereits definierten Maßnahmen zum Erhalt und zur Aufwertung der FFH-Lebensräume im Bereich „Boschach“ und „Eichert Wald“ gem. des FFH-Managementplans; insbesondere:</p> <ul><li>Einbau einer Amphibienquerung in der Bodanstraße</li> <li>Extensivierung und ökologische Aufwertung der Grünlandfläche östlich des Eichert Walds</li> <li>Renaturierung und Schutz von Gewässerstrukturen am Nonnenbach<br />  </li> </ul></div> Fri, 07 May 2021 16:17:28 +0000 h.kling 75 at http://bund-kressbronn.de Bebauungsplan „Ortsrandparkplatz Grenzweg“ http://bund-kressbronn.de/de/Parkplatz-Grenzweg <span class="field field--name-title field--type-string field--label-hidden">Bebauungsplan „Ortsrandparkplatz Grenzweg“</span> <div class="clearfix text-formatted field field--name-field-stellungnahme-ueberschrift field--type-text field--label-above"> <div class="field__label">Stellungnahme</div> <div class="field__item">Bebauungsplan „Ortsrandparkplatz Grenzweg“</div> </div> <span class="field field--name-uid field--type-entity-reference field--label-hidden"><span lang="" about="/en/user/1" typeof="schema:Person" property="schema:name" datatype="">h.kling</span></span> <span class="field field--name-created field--type-created field--label-hidden">Tue, 09/08/2020 - 11:13</span> <div class="field field--name-field-datum-stellungnahme field--type-datetime field--label-above"> <div class="field__label">Datum</div> <div class="field__item">07.09.2020</div> </div> <div class="field field--name-field-bild-stellungnahme field--type-image field--label-hidden field__items"> <div class="field__item"> <img src="/sites/default/files/2020-09/Ortsparkplatz%20Grenzweg_0.jpg" width="750" height="354" alt="Geplanter Parkplatz Grenzweg" typeof="foaf:Image" /> </div> </div> <div class="clearfix text-formatted field field--name-body field--type-text-with-summary field--label-hidden field__item"><p align="justify">Stellungnahme des BUND Ortsverbandes Kressbronn zum Bebauungsplan „Ortsrandparkplatz Grenzweg“ (Beteiligung nach § 4 (2) BauGB) Die Gemeinde Kressbronn beabsichtigt, am Grenzweg an der  Gemarkungsgrenze zu Nonnenhorn auf einer jetzt als Obstanlage genutzten Fläche einen Auffangparkplatz für ca. 200 KFZ zu bauen. Damit soll der Ortskern und die seeufernahen Straßen in der Sommersaison von ruhendem und Suchverkehr entlastet werden. Dieses Vorhaben wurde auch seit 2015 in die laufende (jedoch bislang immer noch nicht genehmigte!) Fortschreibung des Flächennutzungsplans der Gemeinde aufgenommen.</p> <p align="justify">Der BUND Ortsverband Kressbronn anerkennt zwar, dass die Verkehrsbelastungen im seenahen Ortsbereich zeitweise kritische Werte annehmen oder diese sogar überschreiten, sieht aber in der vorgelegten Planung keine nachhaltige Lösung zu deren Behebung. Da das Vorhaben zusätzlich mit erheblichen Beeinträchtigungen des Landschaftsbilds, des Arten- und Biotopschutzes verbunden ist, wird es wie im Folgenden näher begründet abgelehnt:</p> <p>Begründung:</p> <p align="justify">1. Fehlendes Gesamtkonzept zur Verkehrslenkung im seenahen Bereich Der OV Kressbronn des BUND hatte schon in seinen Stellungnahmen (vom 3.4.2016, vom 20. 4. 2017 und vom 21.6.2019 zu den drei letzten Versionen der zweiten Fortschreibung des Flächennutzungsplans des Gemeindeverwaltungsverbandes Eriskirch-Kressbronn-Langenagen (die immer noch nicht genehmigt ist!) durchgängig die Planung des Auffangparkplatzes am Grenzweg<br /> abgelehnt. Dies wurde damals insbesondere mit einem bislang noch fehlenden Verkehrslenkungskonzept für den seenahen Ortsbereich begründet, was auch heute noch gilt.</p> <p align="justify">Es ist unbestritten und wird im laufenden Sommer 2020 nochmals verstärkt wahrgenommen, dass an schönen Sommertagen die Verkehrs- und Parkplatzsituation im seenahen Ortsbereich an die Belastungsgrenzen stößt oder diese sogar überschreitet. Es wäre aber illusorisch, anzunehmen, dass das Problem mit der Realisierung des Auffangparkplatzes gelöst werden könnte. Vielmehr ist nicht auszuschließen, dass die Situation durch das Vorhaben sogar noch verschärft werden könnte. Um planlose Schnellschüsse mit erheblichen Risiken für Natur und Mensch zu vermeiden, ist daher nach Ansicht des BUND OV (wie auch von anderen Gruppierungen z.B. dem Ortsverband der „Grünen“ gefordert) Gesamtkonzept zur Verkehrslenkung im seenahen Ortsbereich unverzichtbar. Für ein solches Gesamtkonzept sollten aus unserer Sicht alle Möglichkeiten zur Minimierung des Flächenverbrauchs für Parkplätze und vor allem alternative Möglichkeiten zur Verkehrsentlastung durch Förderung von ÖPNV- und Fahrrad-Nutzung berücksichtigt werden</p> <p align="justify">2. Der Parkplatz ist ein Störfaktor in der bebauungsfreien Kulturlandschaft Wie schon im Umweltbericht von „Stadt-Land-See“ richtig dargestellt wird der Parkplatz inmitten der als Grünzug von Bebauung freigehaltenen landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft als erheblicher Störfaktor empfunden, insbesondere wenn er zu Spitzenzeiten voll belegt ist. Neben der negativen Auswirkung auf das Landschaftsbild bedingt der Parkplatz durch den damit verbundenen Verkehr auch erhebliche Beeinträchtigungen für Radfahrer/-innen und Wander/-innen.</p> <p align="justify">3. Die Belange des Artenschutzes werden unzureichend berücksichtigt Gemäß den Empfehlungen des Artenschutzgutachtens vom Büro Löderbusch sollen die bestehenden Hochstammbäume am Ostrand des Platzes vor allem wegen ihrer Bedeutung als Lebensraum für Fledermäuse erhalten bleiben. Darüber hinaus sollen für die dort nachgewiesenen Bestände der streng geschützten Zauneidechsen Schutzmaßnahmen während der Bauphase getroffen werden. Hierzu hat die untere Naturschutzbehörde des Bodenseekreises schon kritisch Stellung genommen, der sich der BUND-OV uneingeschränkt anschließt: Hinsichtlich der Baumbestände ist sehr wahrscheinlich, dass durch die mit der Planung erforderlichen Abgrabungsmaßnahmen das Wurzelwerk der Bäume erheblich beschädigt würde. Damit ist auch die aus Sicht des Artenschutzes unverzichtbare Einhaltung der Vorgabe des Erhalts der Baumbestände von vornherein in höchstem Maße gefährdet. Wie schon aus der Satzung ersichtlich ist, wird ja auch nicht ausgeschlossen, dass der Erhalt der Baumbestände misslingt. Für diesen Fall wurden deshalb Neupflanzungen von Hochstämmen vorgesehen. Diese können aber – zumindest mittelfristig – keineswegs als gleichwertiger Ersatz für den Verlust der Lebensräume für die bedrohten Arten anerkannt werden. Ähnlich unzureichend erscheinen die vorgesehenen Schutzmaßnahmen für die Zauneidechse, die sich auf die Vermeidung der Tötung von Tieren während der Bauphase beschränken. Dabei wird vollständig übersehen, dass auch der fertig gestellte Parkplatz über die Bauphase hinaus den Anforderungen für den Lebensraum der Zauneidechse nicht gerecht würde und damit der Bestand dieser Tiere in hohem Maß gefährdet wäre.</p> <p align="justify">4. Der Zuweg zum Parkplatz von der Kreisstraße beeinträchtigt ein Biotop Auf der der Südböschung der K7793 (B31-alt) besteht das Biotop Nummer 184234353002 (“Hecke an der B31 südöstlich Kressbronn“). Da der Zuweg zum Parkplatz entlang dieses Biotops verläuft und wegen der Verkehrssicherheit zumindest mit mehreren Ausweichstellen versehen oder sogar ganz verbreitert werden müsste (siehe Stellungnahmen der Straßenverkehrsbehörden) ist abzusehen, dass dieses Biotop durch die Maßnahme in erheblichem Maße beeinträchtigt, wenn nicht ganz zerstört würde.</p> <p>Datum: 7. September 2020</p> <p>BUND Ortsverband Kressbronn<br /> gez. Gisela Rinné (Vorsitzende)</p> </div> Tue, 08 Sep 2020 09:13:01 +0000 h.kling 69 at http://bund-kressbronn.de